Wann ist eine HoLEP sinnvoll?

Die HoLEP ist eine inzwischen bewährte Operationsmethode für die Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung. Vor allem bei der Behandlung der größeren Adenomen (über 50-60 ml) findet dieses Verfahren eine perfekte Anwendung. Ab dieser Größe stoßen andere Methoden wie die TURP (transurethrale Resektion der Prostata oder herkömmliche Elektroresektion) und auch die ablative Laserverfahren (wie z.B. das Green light-Laserverfahren) unvermeidlich an ihre Grenzen.

Die Adenomgröße ist bei der HoLEP nach oben hin nicht relevant; insofern ist dieses Verfahren eine schonende Alternative zur klassischen offenen Operation (Schnittoperation: offene Adenom-Enukleation, welche vielerorts - aus Mangel an Alternativen - noch angeboten wird). Das Operationsergebnis der HoLEP ist dabei völlig identisch mit dem der offenen Operation, allerdings unvergleichbar schonender und weniger kompliziert. Bei dem bislang größten Adenom, welches wir in unserer Klinik nahezu komplikationslos mit der HoLEP-Methode (Mitte Oktober 2015) behandelten, wurden - allerdings in 2 Sitzungen innerhalb von 4 Tagen - 468 ml Gewebe entfernt! Zum Glück sind dieses Ausnahmefälle.

Vollständigkeitshalber sollte erwähnt werden, dass kleinere Drüsen (unter 40 ml)  weniger gut geeignet sind . Bei einer kleineren Prostatadrüse wäre eine Laserinzision der Prostata in Form einer Holmium Blasenhalsinzision (Holmium Bladder Neck Incision oder HoBNI) besser geeignet (Video: HoBNI - hier klicken). Auch dieses einfache und komplikationsarme Verfahren wird in unserer Klinik angeboten. Alternativ könnten wir - auf Anfrage - mit dem neuen Lumenis-Holmium Laser (Lumenis Pulse 120H) auch die HoLAP (Holmium Laser Ablation der Prostata) anbieten; dieses Verfahren ist nahezu identisch mit dem Green light-Laserverfahren und durch Anwendung des Lumenis Pulse 120H ebenfalls durchführbar. Das Green light-Laserverfahren ist - im Gegensatz zur HoLAP - allerdings besonders gut geeignet für Patienten unter Dauertherapie mit  Antikoagulantien; dieses Verfahren ist in unserer Klinik leider nicht verfügbar. Inzwischen gibt es auch neuere, alternative Verfahren für die Behandlung einer kleinen Prostatadrüse, wie die Aqauablation (AquabeamTM-Verfahren): dieses Verfahren ist derzeit nur in wenigen Kliniken in Deutschland verfügbar und hat den Vorteil, dass in fast 80% der Fälle die (normale) antegrade Ejakulation erhalten bleibt. Bei allen anderen transurethralen Operationsverfahren (inklusive HoLEP) führt der Eingriff fast ausnahmslos zu einer retrograden Ejakulation. 

Das Blutungsrisiko ist bei der HoLEP deutlich geringer als bei den klassischen Verfahren (transurethrale Elektroresektion und offene Adenomenukleation). Dennoch ist die HoLEP kein blutungsfreies Verfahren, lediglich blutungsärmer, welches sich vor allem in den ersten Wochen nach dem Eingriff bemerkbar macht. Trotzdem müssen blutverdünnende Medikamente vor dem Eingriff pausiert werden, wobei eine Wiederaufnahme dieser Behandlung einige Tage nach dem Eingriff in der Regel wieder möglich sein sollte. Nach Absprache kann die Einnahme von ASS 100 eventuell fortgesetzt werden. 

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Hin und wieder kommt die Frage auf, ob es Unterschiede gibt zwischen dem Holmium-Laserverfahren (HoLEP) und dem Thulium-Laserverfahren (ThuLEP). Obwohl das ThuLEP-Verfahren sich vielerorts schon etabliert hat, gibt es aufgrund der Eigenschaften des jeweiligen Lasers doch deutliche Unterschiede:  der Holmium-Laser ist gepulst, der Thulium-Laser hingegen ist ein Dauer-Strahler (cw oder continuous wave). Dadurch bedingt kann der Holmium-Laser nicht nur schneiden (bei direktem Kontakt mit dem Gewebe) sondern auf kurzer Distanz Gewebsschichten auch extrem gut stumpf lösen; im Gegensatz dazu kann der Thulium-Laser eigentlich nur schneiden. Am besten vergleicht man dieses mit dem Schälen einer Apfelsine. Mit dem Holmium Laser können die Gewebsschichten wesentlich besser stumpf gelöst und verfolgt werden als mit dem Thulium-Laser: die Abbildung zeigt dieses sehr deutlich. Insofern läßt der Holmium eine wesentlich saubere und dann auch vollständige Enukleation zu. Hinzu kommt, dass der Holmium-Laser im Gegensatz zum Thulium-Laser auch Steine zertrümmern kann: deshalb kann in gleicher Sitzung mit der HoLEP auch ein Blasenstein sehr effizient zertrümmert werden!

Die Behandlungskosten der Holmium-Laser-Operation werden von allen Krankenkassen übernommen. Der stationäre Aufenthalt beträgt in der Regel 3-5 Tage: ggf. ein Tag vor der Operation (bei Anreise aus größerer Entfernung), der Operationstag und 1-2 Tage nach der Operation; meistens 4 Tage insgesamt. Patienten, die nicht aus Nordhessen stammen, können den Eingriff problemlos in der Klinik ihrer Wahl und daher auch im Klinikum Kassel durchführen lassen, weil es eine anerkannte Operationsmethode ist (OPS-Code 5-601.70). Allerdings kann nicht erwartet werden, dass die Krankenkasse die damit verbundenen Fahrtkosten übernimmt! Dieses sollte in jedem Fall im Vorfeld mit der Krankenkasse geklärt werden. Entsprechende Bescheinigungen wird unsere Klinik aus verständlichen Gründen nicht ausstellen.




Impressum  / Disclaimer                    ©   Patrick de Geeter                              Letzte Anpassung 11. September 2019